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Die Spekulatius-Verzerrung

Hallo zusammen,

schön das ihr wieder hier seid! Seit meinem letzten Eintrag ist wieder viel passiert worüber ich euch und meinem Opa heute gerne berichten möchte.

Opa: „Hallo Vin, schön dass du mich und Oma wieder besuchst. Erzähl, wie geht es dir heute?“

Vin: „Hallo Opa, mir geht es ganz gut! Aber bevor ich dir erzähle, was ich die letzten Wochen so erlebt habe, muss ich dir unbedingt von meinem Depot berichten, denn da hat sich schon wieder einiges getan seit unserer letzten Unterhaltung.“

Opa: „Du klingst ja sehr aufgeregt, dann lass mal hören was es dort so Neues gibt“

Vin: „Stell dir vor Opa, vor zwei Wochen habe ich in mein Depot geschaut und hatte das erste Mal eine negative Performance. Dabei sind fast alle meine Werte gefallen sodass ich fast 1% Verlust im Depot zu verzeichnen hatte. Ich kann dir sagen, das war wirklich kein schönes Gefühl.“

Opa: „Ohja, dieses Gefühl kenne ich leider auch, das ist wirklich nicht schön mit anzusehen. Wie hast du in dieser Situation reagiert?“

Vin: „Naja, ich habe erstmal versucht einen kühlen Kopf zu bewahren, damit ich keine Übersprungshandlung begehe. Damit habe ich versucht den Restraint Bias zu umgehen, welchen ich in der Vorlesung kennengelernt habe.  Nachdem ich mich also etwas beruhigt hatte, habe ich beschlossen einige Werte, welche richtig schlecht liefen zu verkaufen z.B. BASF und Blender Bites, um nicht wieder in die Falle der Verlustaversion und des Dispositionseffektes zu tappen.”

Opa: „Das klingt ja schon sehr gut und ich muss sagen, die Art wie du denkst gefällt mir! Die Verlustaversion und den Dispositionseffekt habe ich ja bereits kennengelernt aber was hat es mit dem Restraint Bias auf sich?

Vin: „Der Restraint Bias erklärt die Tendenz von Menschen, Ihre Fähigkeit zur Kontrolle von impulsivem Verhalten zu überschätzen. Also einfach gesagt; eine übersteigerte Vorstellung von der eigenen Selbstkontrolle kann dazu führen, dass man der Versuchung stärker ausgesetzt wird und dadurch impulsiver handelt, ohne sich vorher einmal gründlich Gedanken über die Entscheidung zu machen.“

Opa: “Das ist ja höchst interessant. Diese Tendenz solltest du mal deiner Großmutter erklären, denn die unterliegt ihrem impulsiven Verhalten beim Shoppen fast jedes Mal und kauft Dinge, die sie eigentlich nicht braucht. Wenn ich sie drauf anspreche, sagt sie immer, sie hat es unter Kontrolle und kauft nur Nützliches ein. Und wie bist du dann weiter verfahren?”

Vin: “Ja, ich finde das auch super spannend! Ach Oma, da geht es ihr ganz wie Mama. Ich habe in neue Werte investiert, die für mich und einige Experten vielversprechend aussahen. Hier unterlag ich vorwiegend dem Authority Bias… dieser beschreibt die Tendenz, den Meinungen von Autoritäten, in diesem Fall den Experten am Kapitalmarkt, ein großes Maß an Vertrauen beizumessen und sich dadurch von deren Meinungen beeinflussen zu lassen.

Das war ein blöder Fehler, denn die Werte die ich gekauft habe, haben sich alle entgegen der Meinungen der Experten negativ entwickelt.”

Opa: “Das ist wirklich schade. Aber Vin, die Experten können doch auch nicht hellsehen.”

Vin:  “Da hast du wohl recht, Opa. Der Schock durch die Omikron-Meldungen hält auch noch weiter an, deswegen kann ich die zukünftige Entwicklung nicht besonders einschätzen, einige Experten kaufen deswegen gerade “günstig” nach. Mir selbst fällt es aber sehr schwer, mich von meiner aktuellen Position wegzubewegen und etwas zu verändern, denn ich müsste Aktien verkaufen, um in neue investieren zu können. Das nennt sich in der Psychologie übrigens Status Quo Bias.”

Opa: “Kopf hoch Vin! Wir können ja mal zusammen schauen und uns auch ein paar Charts zu deinen Positionen ansehen, eventuell finden wir ja etwas, dass du verkaufen solltest.”

Oma: “Ach ihr beiden! Ihr redet ständig nur über das Geld. Jetzt ist erstmal Schluss damit, denn ich habe das Essen fertig und ich möchte nicht, dass es kalt wird. Also los Richard, deck den Tisch damit wir essen können.”

Ihr habt Oma gehört, bis zum nächsten Mal!

Euer Vin Spekulatius 

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